Das ABC der Stärkenforschung

Ist eine Stärke auch ein Talent? Gibt es einen Unterschied zwischen Kompetenzen und Potenzialen? Es ist nicht einfach, einen Durchblick im Dschungel der Begriffe aus der Stärkenforschung zu behalten.

Sie finden deshalb im Folgenden einen kurzen Abriss über die zentralen Begriffe aus der Stärkenforschung und wie sie in unserem Ansatz der Stärkenorientierung verwendet werden.



Stärken

Oftmals wird mit dem Begriff der Stärke nur etwas bezeichnet, worin wir gut sind. Das ist aber nur ein Teil einer Stärke. Wenn jemand z.B. in einer Sache gut ist, sie aber nicht wirklich gerne macht, wird er auch keine herausragenden Resultate erzielen. Zudem wird ihm diese Sache auch keine Energie geben und er wird sie nicht wirklich mit Freude machen.

Eine Stärke ...

  • ist etwas, worin wir gut sind
  • das wir gerne machen, weil es uns motiviert und Freude bereitet
  • und herausragende Resultate bringt

Kompetenzen

Es gibt im Bereich der Weiterbildung und Personalentwicklung wohl kaum einen Begriff, der so oft und so unterschiedlich verwendet wird wie der Begriff der Kompetenz.

Ursprünglich kommt der Begriff Kompetenz aus dem Lateinischen (competere) und bedeutet „zu etwas fähig sein“. Kompetenz umfasst letztlich das, was ein Mensch wirklich kann und weiß. Damit sind alle Fähigkeiten, Wissensbestände und Denkmethoden gemeint, die ein Mensch in seinem Leben erwirbt und zur Verfügung hat. Kompetenzen müssen also erlernt werden.

Ob jemand über eine bestimmte Kompetenz verfügt, wird nur durch sein Verhalten sichtbar.

In anderen Worten ist Kompetenz die latente Fähigkeit einer Person, eine bestimmte Aufgabe ausführen zu können (z.B. Italienisch zu sprechen). Die tatsächliche Ausführung dieser Aufgabe (z.B. jemanden auf Italienisch begrüßen) heißt Performanz.

Talente

Talente sind natürliche Begabungen oder Veranlagungen, die wir schon seit unserem jüngsten Alter besitzen. Zu diesen natürlichen Begabungen gehören beispielsweise Wahrnehmungs-, Denk- oder Verhaltensmuster, die bei uns besonders stark ausgeprägt sind.

Werden diese Begabungen durch Fachkenntnisse und wiederholtes Üben weiter entfaltet, entwickelt sich ein echtes Können.

Kommen zu diesem Können auch eine Freude an der Aktivität bzw. ein Aufgehen in dem, was wir tun, und hervorragende Resultate dazu, spricht man von einer Stärke.

Potenziale

Der Begriff Potenzial ist lateinischen Ursprungs und bedeutet übersetzt „Fähigkeit“ oder „Kapazität“.

Potenzial ist die zukünftige Kapazität einer Person hinsichtlich ihrer Denk-und Handlungsstrukturen. Das Potenzial bestimmt damit die Grenze der individuellen Lernfähigkeit dieser Person.

Ein großer Unterschied zwischen Potenzial und Kompetenz besteht bei der Zeitlichkeit. Das Potenzial ist auf die Zukunft ausgerichtet. Es geht um Fähigkeiten, die sich in der Zukunft einmal manifestieren. Die Kompetenz bezieht sich auf die Vergangenheit. Es geht um das bereits realisierte Arbeitsvermögen, das Aufschluss über vorhandene Qualifikationen gibt.

M. Wenk (1993) unterscheidet außerdem zwischen offenem und verborgenem Potenzial. Offenes Potenzial beschreibt momentan brachliegende Fähigkeiten, welche jedoch sofort einsetzbar wären. Verborgenes oder latentes Potenzial hingegen ist entweder noch nicht entdeckt oder noch nicht entwickelt.

Zusammengefasst kann Potenzial als die Grundlage für die Entwicklung von Kompetenzen verstanden werden.

Schwächen

Eine Schwäche wird nach Oxford Dictionary definiert als ein „Gebiet, auf dem es uns an Können mangelt.“ Diese Definition beinhaltet zwei wichtige Konsequenzen:

(1.) Schwächen sind oft irrelevant. Wir können uns bei vielen Sachen auf unsere Stärken konzentrieren und  müssen uns um Schwächen keine Gedanken machen.

(2.) Es handelt sich um einen Mangel, aber nicht um ein Fehlen bestimmter Fähigkeiten. Vielleicht empfinden wir keine große Freude, diese Fähigkeiten zu entwickeln und werden auch keine herausragenden Resultate erzielen, aber wir können sie dennoch ausbauen.